Samstag, 21. Mai 2011

Bergsteigen - Überschreitung der Bretterspitze über den Nord-Westgrat

Bergtour - Überschreitung der Bretterspitze über den Nord-Westgrat
Nord-Westgrat der Bretterspitze von der Wolekleskarspitze
(fotografiert im Herbst 2010)
Die Überschreitung der Bretterspitze stand schon länger auf meiner Wunschliste. Geplante Tour: Anstieg durch das Gliegerkar, weiter über den Nord-Westgrat zum Gipfelkreuz der Bretterspitze und Abstieg zurück in das Gliegerkar durch die Schwärzerscharte sowie über den Klettersteig.

Der Nord-Westgrat der Bretterspitze wird oft als die schönste Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrad in den Allgäuer Alpen bezeichnet. Besonders von der Wolekleskarspitze schaut der Grat wunderschön aus. 

Den Abstieg von der Bretterspitze in die Schwärzerscharte kannte ich bereits aus dem letzten Jahr, den Klettersteig von der Schwärzerscharte zurück in das Gliegarkar jedoch noch nicht. 

Bei der Vorbereitung der Tour fand ich kaum Informationen, ob der Zustieg vom Gliegarkar zum Nord-Westgrat der Bretterspitze aus überhaupt möglich ist. Im letzten November waren Andy und ich an der Gliegerkarspitze und wir konnten beim Blick von der Scharte zwischen der Gliegerkarspitze und der Bretterspitze hinunter in das Gliegerkar einige alte Klettersteig - Überreste sehen. Es sah damals nicht leicht aus. 

Zwei gute Freunde von mir hatten Zeit und Lust, die Tour mit mir zu machen: Stefan, Gründer der  Netzathleten und Olympiasieger als Kanute, sowie Metti, Olympiateilnehmer in Salt Lake 2002 im Snowboarden. Stefan war letztes Jahr bereits mit mir auf der Marchspitze. Metti war zwar noch nie dabei, ich war mir aber sicher, wir würden viel Spaß haben.

Die Jungs kamen aus München. Wir frühstückten zusammen und starteten dann ins Lechtal. Seil und Klettergurte waren mit dabei. Somit war neben der gefühlten Sicherheitsoption auch ein Gewichtsausgleich zu meiner Fotoausrüstung geschaffen . Die Wettervorhersage war nicht gerade optimal: Am späten Nachmittag waren heftige Gewitter angesagt.

Wir stiegen in ganz gutem Tempo in zwei Stunden vom Häselgehr durch das Haglertal in das Gliegerkar auf. Es war ziemlich schwül, so dass wir zweimal Wasser nachfüllen mussten. Stefan testete die Guarana Tabletten von Xenofit. Seinem Redefluss hat es zumindest keinen Abbruch getan.

Im Gliegerkar lag noch ziemlich viel Schnee. Wir stiegen bis unter die Südwand der Gliegerkarspitze und fanden ohne Probleme den Durchstieg in die Scharte zwischen der Bretterspitze und der Gliegerkarspitze. Es war eine ganz angenehme Kletterei bis zum zweiten Schwierigkeitsgrad. Die Überreste des alten Klettersteigs halfen uns hier sehr, den richtigen Weg zu finden. Die Seile waren fast alle gerissen, viele der Eisenstifte waren nicht wirklich fest im Fels.


Der Nord-Westgrat der Bretterspitze machte dann richtig Spaß. Stefan war zwischendurch fast ein bisschen zu euphorisch, so dass Metti und ich ihn ein bisschen herunterholen mussten, damit er beim Klettern auch wirklich konzentriert bleibt. Metti war voll konzentriert und hatte auch sichtlich Spaß. Wir wichen zweimal ein wenig in die Südflanke aus und umgingen so zwei Steilaufschwünge. Einige Male mussten wir auch kleineren Schneefeldern ausweichen. Die Kletterei war gutartig exponiert und im ersten, einige wenige Stellen im zweiten Schwierigkeitsgrad. Oben am Gipfel genossen wir die einmalige Aussicht. Speziell der Blick zum Westgrat der Urbeleskarspitze hat uns beeindruckt.


Beim Abstieg in die Schwärzerscharte sicherten wir ein 45° steiles, zehn Meter breites und exponiertes Schneefeld. In der Schwärzerscharte angekommen, versperrte eine ziemlich große Schneewechte den Einstieg zum Klettersteig. Wir umgingen die Wechte weitläufig.  Stefan war total fasziniert und genoss die Schneemassen über seinem Kopf. Metti wiederum meinte nur ganz trocken: "Ich habe schon Pferde kotzen sehen" und brachte sich lieber schnell in Sicherheit. Danach sicherten wir über zwei weitere Schneefelder, die zum Boden hin tückisch vereist und ebenfalls ziemlich exponiert waren.

Beim Abstieg durch das Gliegerkar und das Haglertal regnete es leicht. Stefan wollte sich noch richtig das "Leder geben" und lief die ca. 1.300 Höhenmeter hinunter. Metti und ich kamen 20 Minuten nach Stefan am Auto an. Der schlief bereits im Auto ...

Wir selbst haben den ganzen Tag zwar keine anderen Menschen unterwegs getroffen, doch anscheinend waren noch zwei andere Bergsteiger an diesem Samstag mit Aufstieg über das Urbeleskar oben. Es war einmal mehr eine extrem schöne Tour in die Einsamkeit der Hornbachkette.



Metti
Stefan
Aufstieg durch das Haglertal
Wasser nachfüllen
Im unteren Bereich des Gliegerkars
Helm anziehen, es wird steiler
40° Schneefelder
I er bis II er Gelände
I er bis II er Gelände
Blick in Richtung Wolekleskarspitze
Stefan genießt den Aufstieg :-)
Metti beim Aufstieg in den Sattel zwischen der Gliegerkarspitze und der Bretterspitze
Überreste vom alten Klettersteig
Fast oben
Schneefeld zum Nordwestgrat der Bretterspitze
Südlich des Nordwestgrats
Gutartig exponiert
Im ca. Mittelteil des Nordwestgrats der Bretterspitze 
Am Gipfel der Bretterspitze
Blick auf die Urbeleskarspitze 2.632 m im Osten
Abstieg von der Bretterspitze in die Schwärzerscharte, Stefan vom Metti gesichert
Wunderschöner Abstieg
Eine Riesen - Wechte beim Einstieg zum Klettersteig Stefan vertraut seinen Schutzengeln
Metti meinte nur - "ich habe schon Pferde kotzen sehen" und ging zügig weiter
unter diesen Schneefeldern gehts ordentlich runter
Stefan voll fasziniert :-) 
...wir sichern einige Stellen
Stefan & Westgrat der Urbeleskarspitze
Die Urbeleskarspitze - 2.632 m
Scharte beim Abstieg in das Gliegerkar
alles gut rot markiert
Die Jungfrauenspitzen




Schuhe: Salomon  - COSMIC 4D GTX
    Rucksack: Ortovox - Peak 42
    Regenklamotten & Primaloft: 8848 Altitude - CARUGA - ANSGAR
    Unterwäsche: Icebreaker
    • Unschlagbar, recht zügig trocken und stinkt einfach nicht, egal wie stark man schwitzt
    Stöcke: Leki - TOUR CARBON III
    Trinkflasche: Sigg
    Riegel, Getränke, Gels: Xenofit
    SonnenbrillenDirty Dog



    Google Earth Karte - Vergrößern durch Anklicken


    Download Google Earth KMZ Datei: Bretterspitze Überschreitung

    Dauer: 6-10 Stunden

    Höhenmeter: ca. 1.600 Meter

    Schwierigkeiten: 
    • teils absolut weglos
    • Schwierigkeiten bis zum II Grad, teilweise exponiert
    • Helm notwendig wegen möglichem Steinschlag 
    • Schnee oft bis in die Sommermonate in einigen Teilen der Tour
    • Klettersteigausrüstung und evtl. ein kurzes Seil hilfreich
    Empfohlene Karte:

    Empfohlener Führer: 




    Lechtal Homepage: www.lechtal.at




    Samstag, 7. Mai 2011

    Bergtour - Umrundung des Großen Krottenkopfs

    Bergtour - Umrundung des Großen Krottenkopfs



    Die Wettervorhersage kündigte ein Traum-Wochenende an. Neben meiner normalen Touren-Ausrüstung packte ich diesmal auch meinen Schlafsack und die Isomatte ein, wollte endlich mal wieder eine Nacht in den Bergen unter freiem Himmel verbringen. Ich setzte mich ins Auto, fuhr nach Holzgau und machte mich am Spätnachmittag durch das Höhenbachtal in Richtung Großer Krottenkopf auf.

    Mein Übernachtungsziel: Entweder in der Großen Krottenkopfscharte oder am Hermannskarsee, um dann am Samstag durch die Hermannskarscharte in das Öfnerkar zu durchsteigen und mir den Einstieg vom Nordgrat zum Großen Krottenkopf anzusehen.

    Das Wetter und die Temperaturen waren wie vorhergesagt astrein und fast schon sommerlich. Der Aufstieg durch das Schwarzbachtal vorbei an den Simms-Wasserfällen und den Roßgumpalpen war sehr reizvoll und abwechslungsreich. Natur pur in seiner ganzen alpinen Schönheit!

    Kurz vor der Krottenkopfscharte ( 2.350 m) fing der Himmel plötzlich an, „verrückt“ zu spielen, seine Farben wechselten im Minutentakt. Ich setzte mich hin, machte einige Fotos und genoss diese faszinierende Stimmung, bevor ich wieder aufbrach und bei Dämmerung gegen 21 Uhr die Krottenkopfscharte erreichte. Genau in der Scharte fand ich einen ebenen Schlafplatz, zog mich um, ließ mir meine Specksemmel schmecken. Ich kroch in meinen Schlafsack. Der Himmel im Westen sah immer noch irre aus. Die Sterne strahlten, einer schöner wie der andere. Einige Sternschnuppen verstärkten zusätzlich diese intensiven Eindrücke. Was für Bilder zum Einschlafen! Die Nacht war aber dann doch etwas unruhig. Zwischendurch weckte mich ein Steinschlag an der Rammstalspitze. Es war noch ziemlich kühl.

    Die eindrucksvollen Bilder am Himmel im Westen vom Vorabend setzten sich farbenfroh am Morgen im Osten fort, als ich so gegen 5:30 Uhr wach wurde. Mein Schlafsack war mit einer Reifschicht bedeckt. Es war kälter als es sich in der Nacht angefühlt hat. Ich schälte mich aus dem Schlafsack, schoss einige Fotos und genoss erneut das Lichtspektakel.

    Der Abstieg von der Scharte in Richtung Hermannskar war noch knüppelhart gefroren. Ich hatte keine Steigeisen dabei und wartete deshalb, bis der oberste Deckel der gefrorenen Firnschicht ein wenig weicher wurde. Gegen 8:30 Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung Hermannskarsee. Das Queren der Schneehänge mit bis zu 45° wäre mit festeren Schuhe und Steigeisen wesentlich leichter und angenehmer gewesen. Aber nun gut, musste es halt so gehen. Aus der Ferne stellte ich fest, dass der Hermannskarsee noch absolut zugefroren aussah. Blöd, ich hatte nämlich kein Wasser mehr. Mit einem Stock konnte ich ein Loch durch eine dünnere Schicht in der Eisdecke durchstoßen und bekam so doch noch was zum Trinken.

    Den wunderschönen Aufstieg hinauf zur ca. 250 Meter höher gelegene Hermannskarscharte auf 2.443 m ging ich relativ schnell an. Die Verhältnisse waren nun klasse. Oben angekommen, schaute ich mir den Einstieg zum Nordgrad des Großen Krottenkopfs an. Dort musste ich erneut ca. eine Stunde warten, bis der Schnee in der östlichen Exposition ein wenig weicher wurde. Eine Stunde später hätte ich sicher mehr Spaß beim Abstieg gehabt. Aber der Rückweg durch das Höhenbachtal war dann ein Traum: Temperaturen um die 25 Grad, und wie fast immer in der Hornbachkette - kein Mensch unterwegs! Dafür begegnete ich einer stattlichen und ziemlich fauchenden Kreuzotter. Ein wunderschönes Tier. Eine wunderschöne einsame Tour!


    Westhänge unterhalb der Ramstallspitze
    wunderschön
    Das Licht wechselte jede Minute, erst gelbe Töne ...
    ... dann gelb-rötliche ...
     ... übergehend ins Rötliche ...
    ...  Feuerrot ...
     ... es dauerte ca. 30 Minuten ...
    ... dann wurde es dunkel und in der Nacht bis zu -5°C
    Reif auf dem Schlafsack um ca. 6:00 Uhr
    Schlafplatz in der Krottenkopfscharte - 2.350 m zwischen Ramstallspitze - 2.533 m
    und dem Großen Krottenkopf - 2.656 m 
    Sonnenaufgang in der "ersten Reihe"
    Logenplatz
    Sonnenaufgang über der Hornbachkette
    Ordentliche Verfrachtungen
    Abstieg von der Krottenkopfscharte in das Hermannskar zum Hermanskarsee
    Hermannskarsee
    Loch mit Stöcken machen
    Wasser holen
    Blick auf den Hermannskarsee und die Marchspitze aus der Hermannskarscharte - 2.443 m
    Blick aus der Hermannskarscharte - 2.443 m in das Öfnerkar
    Hermannskarscharte - 2.443 m aus dam Öfnerkar
    "Fette" Kreuzotter 
    Abstieg durch das wunderschöne Höhenbachtal
    vorbei an den Simms Wasserfällen





    Google Earth Karte - Vergrößern durch Anklicken


    Download Google Earth KMZ Datei: hier klicken

    Dauer: 6-10 Stunden

    Höhenmeter: ca. 1.500 Meter

    Schwierigkeiten: 
    • teils absolut weglos
    • Schwierigkeiten bis zum I Grad
    • Helm notwendig wegen möglichem Steinschlag beim Aufstieg und Abstieg zu und von der Hermannskarscharte
    • Schnee oft bis in die Sommermonate in einigen Teilen der Tour
    • Abstieg vom Öfnerkar zum Weg links halten
    Empfohlene Karte:

    Empfohlener Führer: 




    Lechtal Homepage: www.lechtal.at





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